Autor: asphodeloswiese

auf der Wiese

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Der Skulpturenpark der Evangelischen Kirchengemeinde „Sankt Marien“ Zahna ist eine etwa 20 Hektar große Wiese mit Bachlauf und Waldstücken, teilweise von Schafen beweidet – und verschiedenen ab dem Jahr 1993 entstandenen Skulpturen. Sie sind herzlich eingeladen, hierher zu kommen. Autos können im Ort Bülzig geparkt werden, Menschen mit Gehbehinderungen können bis aufs Gelände fahren. Seit 1993 sind inzwischen viele Jahre vergangen. Die Fotos der Skulpturen sehen anders aus als die realen Objekte. So ist es eben. Ars longa – non vita rerum.

„Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvollen Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“

(Novalis)

so fängt es an

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So fängt es an.
Mit neuen Fragen
nach alten Bildern.

Wo ist der Mann,
wer ist die Frau,
wie kam der Vogel.

Was füllt den Kelch,
wann reden die Wolken?
Warum sage ich

mir selbst
sooft nichts …

der Quell

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und oft schon sitzt am Quell
die Kröte

dann sind drei Aufgaben zu lösen
für die am Bache Wohnenden

wenn der Quellgeist
kein Quälgeist mehr ist

wird alles gut
froh lebst Du dann ..

der blaue König

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Blauer König
nickt Dir zu.

Leiht Dir heute
sein Szepter.

Du darfst bestimmen.
Du entscheidest Dich,
ein weiser König zu sein.

Gerade heute
will es gelingen.

Es freut sich die Welt.
Und huldigt Dir.

Du winkst ab und sagst,
das wäre doch
selbstverständlich …

Hephaist, der Sohn des Zeus

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.. Hephaist, der Sohn des Zeus,
schmiedet Bauern
kunstfertig Pflüge.

Solcher Pflug
zieht sich selbst,
schärft sich selbst,
säht auch
und erntet zur Zeit,
wenn alles reif ist.

Hier ist er.
Wo sind die Bauern?

Die Bauern
glauben nicht mehr
den Göttern der Flur.

Sind
in die Städte gezogen.

Sie dort.
Hier wartet der Pflug.

das weiße Pferd

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… das weiße Pferd –
was will das weiße Pferd?
Es trägt nicht,
nicht ins Wunderland.

Schnaubt
und wiehert laut,
will aus dem Mythos
springen.

Möchte
einfachen Pflug ziehen.
Armen Leuten
und für ehrliches Brot.

Du bist

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… Du bist
verbunden
mit Vielem,
was Du nicht kennst.

Im Tier
ist Dir
ein guter Geist
gesellig …

Manchmal
schaut ihr Euch an.

Ganz unverwandt –
ihr seid bekannt.

Da sind
die großen Augenblicke.

Märchenwiese

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… betritt Märchenwiesen
nackten Fußes.

Bitte Elfen,
sie mögen Dich
willkommen heißen.

Gib zum Geschenk,
dass Du da bist.

Nimm
alles ernst.

unter der Erde

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Tief in der Erde
tagt der Zwerge Geschlecht.
Schwarz-Alberich hütet
schimmernder Schätze neidlichen Hort.

Auf Erdas Rücken
wuchtet der Riesen Gezücht.
Fasold und Fafner,
der Rauen Fürsten.

Auf wolkigen Höhn
wohnen die Götter.
Lichtalberich Wotan
waltet der Schar.

Und der Mensch
sucht immer noch
Heimat. Und kreißt
kreisend im Kosmos

gegrüßt seist Du

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… gegrüßt seist Du,
Maria, voll der Gnaden.
Gebenedeit bist Du
unter den Frauen.
Und gebenedeit
ist die Frucht
Deines Leibes,
Jesus.

Bitte auch für uns,
Mutter Gottes,
Jetzt,
und immer …

vom Empfindungsmenschen

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Ich fühle
Kühle
und Wärme
auf Deiner Haut
mit meiner Haut.

Du bist mir vertraut,
denn meine Grenze
ist Deine.

Ich weine.
Denn ich empfinde,
dem Kinde
gleich:
Ich bin so weich.

Meine Seele,
oft quäle ich mich.
Und kenne dich
nicht!

Adar I & Adar II

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wie sich alles auflöst,
wie alles eins wird,
wie alles fortschwimmt,
wie alles geschenkt wird,
wie alles anders scheint,
wie alles ineinander übergeht,
wie eins zu allem wird,

und wie alles eint …

auf drei Stühlen

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… auf drei Stühlen
ist der EINE.

Sara lacht
und Abraham
weiß, wer da zu Gast ist.

Er kommt.
Er kommt wieder,
er redet,
ißt mit Dir und geht.

Du darfst
Dich freuen.
Du hast
mit Engeln
an einer Tafel gesessen.

So
hat ER
Dich getroffen.

sie schauen

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… sie schauen.

Bist Du der gute Hirte?
Führst Du
ins Schlachthaus,
oder auf grüne Auen
und zum frischen Wasser?

Wir haben einen Hirten,
der ist uns Kindern gut.
Und weiß wohl zu bewirten,
die Schafe seiner Hut.

Und weil wir ihm gehören,
so bitten wir DICH, komm,
du guter Heiland, lehre
uns selbst und mach uns fromm.

alle 170 Jahre

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… alle 170 Jahre
treffen sich
diese beiden:

Der brausende Ländererschütterer
Poseidon, auch Neptun geheißen,
und
Uranos, den Herschel entdeckte,
der von Gaia Betrogene!

Einmal standen sie
in der Heimat Saturns.
Sommers, im Jahr
Tausenneunhundertneunzigunddrei

Da kamen
Bildhauer
und bauten
aus Holz und Eisen
und Stein und aus Federn
große Figuren.

Um nicht zu vergessen
den greisen Aionos
und Kairos
den kahlköpfigen
Turner im Laufrad der Zeit …

der Meister

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… der Meister
schweigt.

Wer nicht spricht
ist nicht stumm,
sondern
schweigt.

Auch gibt es Meister,
die schweigen
u n d
sprechen.

Das sind die
Großen.

Ihre Krone
ist aus blühenden
Dornen
gewunden.

Erst nach
einhundert Jahren
verstehen
Dornen
Blüten …

am Rand

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Am Rand
steht der Engel.

Dein Weg führt vorbei,
es sei denn,
du verlässt ihn.

Nicht den Engel!
Den Weg …

Gedenke
Rotkäppchens.

das, was größer ist als Du

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.. das,
was größer ist
als Du,
ist der Schwarm.

Du hängst drin,
und der Sog. 
Irgendwo dazugehören,
ist so groß …
ist verlockend.

Gib Dich hin,
aber prüfe,
wem Du Dich ergibst.

Wenn Du kannst!
Sei auf der Hut …

Druidenhaiku

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Der Druide sagt:
„Sage nicht zuviel!“
sagt der Druide.

Seine goldene Sichel
erglänzt im Lichte
des silbernen Mondscheinens

Schein ist die Sichel.
Trennt sie die Mistel vom Ast
klingt es leise und du hörst
den Alten beten.

Sage nicht zuviel.

nur Du

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… nur Du
kannst hier gehen.
Nur Du
sollst hier gehen.

Nur Du
darfst hier gehen.

Nur Du
wirst hier gehen.

Nur Du
gehst hier.

Nur Du
wirst hier
gegangen sein …

mitten durch

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… mitten durch
den Schlüssel
ging einmal
ein Weg …
weg ist nun
der Schlüssel.

Doch Weg
trotzdem
geblieben.

Bruchstücke
schimmern mehr
als Zerbrochenes
je glänzten konnte …

Das ist Dein Weg

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… das ist Dein Weg.
Dein Weg sieht
von Oben aus
anders aus
als er von
Unten aus
aussieht.

Denn für den Weg
gibt es
nur Dich.

Kein Oben
kein Unten,
kein Innen
kein Außen.

„nur“ Dich …

es gab eine Zeit

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… es gab eine Zeit,
da waren wir eins
mit unserer Mutter.

Da gab es
noch keine Trennung.

Jetzt gibt alles
die Trennung.

Einmal aber,
vor langer Zeit,
waren wir
EINS …

immer wieder

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immer wieder
stemmen dir
deine schatten
reale trugbilder
in den weg

sei ihnen nicht gram
danke
sage danke
dann
ändern sie sich

l a n g s a m …

sie sind da

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sie sind da
es gibt sie
wirklich
sie landeten
kamen an
dicht bei dir
und sie machten
dabei
keine brandflecken
langsam kühlt
ihr schatten
ab